Carl Philipp Emanuel Bach

Carl Philipp Emanuel BachCarl Philipp Emanuel Bach (1714–1788), der zweite überlebende Sohn Johann Sebastian Bachs (1685–1750) und dessen erster Frau Maria Barbara (1684–1720), wurde am 8. März 1714 in Weimar geboren. Einer seiner Taufpaten war Georg Philipp Telemann (1681–1767). Nach dem Umzug der Familie 1723 nach Leipzig, wo sein Vater die Stelle des Thomaskantors antrat, besuchte Carl Philipp Emanuel die Thomasschule. Seine musikalische Ausbildung aber erhielt er nach eigenen Aussagen allein durch seinen Vater: »In der Composition und im Clavierspielen habe ich nie einen anderen Lehrmeister gehabt als meinen Vater.« 1731 wurde er als Student der Jurisprudenz an der Universität Leipzig immatrikuliert. 1734 wechselte er an die Universität von Frankfurt/Oder. Dort betätigte er sich außerdem als Cembalist, Cembalolehrer und Dirigent. Auch sind seine ersten Kompositionen in diese Zeit zu datieren. Allerdings schien Carl Philipp Emanuel später nicht mehr viel von diesen ersten Versuchen zu halten wie aus einer Passage eines Briefes von 1786 hervorgeht: »Vergeben Sie mir mein Geschwätze und Geschmier! Das Possierlichste von allem ist die gnädige Vorsicht des Königs, wo durch Händels Jugendarbeiten bis aufs äußerste verwahrt werden. Ich vergleiche mich gar nicht mit Händeln, doch habe ich vor kurzem ein Ries und mehr alte Arbeiten von mir verbrannt und freue mich, dass sie nicht mehr sind.«

1738 berief der damalige preußische Kronprinz Friedrich (1712–1787) Bach als Cembalist in die Kapelle nach Ruppin. Nachdem der Kronprinz 1740 den Thron bestieg, wurde Bach 1741 als Konzertcembalist in der Hofkapelle fest angestellt. Am Hof gab er auch Klavierunterricht, unter anderem dem jungen Herzog Carl Eugen von Württemberg (1728–1793), dem er auch seine sechs Württembergischen Sonaten (1742–1744) widmete. Zwei Jahre zuvor hatte er bereits seine sechs Preußischen Sonaten (1740–1742) Friedrich dem Großen zugeeignet. Diese Sonaten gelten als die wichtigsten Zeugnisse der neuen Stilbildung auf dem Gebiet der Klaviersonate. In den 28 Jahren seines Dienstes am preußischen Hof wurde er einer der bekanntesten »Clavieristen« Europas. Für das Cembalo schrieb er mehr als 100 Sonaten und Solowerke, darunter Die Sammlung mit veränderten Reprisen (1760–1768) und die sechs Sammlungen der Sonaten Für Kenner und Liebhaber (1773–1786). Aus dieser Zeit, in der er auch der »Berliner Bach« genannt wurde, stammen zudem u. a. ein Magnificat (1749), drei Liederbände (die Geistliche[n] Oden und Lieder mit Melodien nach Texten von Christian Fürchtegott Gellert), mehrere Sinfonien und Konzerte, einige weltliche Kantaten und mehrere Gelegenheitsstücke. 1753 erschien Bachs »Versuch über die wahre Art das Klavier zu spielen, mit Exempeln und 18 Probestücken in 6 Sonaten erläutert«, das das wichtigste Lehrbuch für das Klavierspiel und den Generalbass seiner Zeit wurde. Zusammen mit der Flötenschule von Johann Joachim Quantz (1697–1773) und der Violinschule von Leopold Mozart (1719–1787) ist es eines der wichtigsten Dokumente über das musikalische Denken und den musikalischen Vortrag im 18. Jahrhundert.

 

In der Zeit seines Dienstes beim preußischen König verkehrte Bach in den musikalischen Kreisen der Prinzessin Anna Amalia von Preußen (1723–1787) und deren Lehrer Johann Philipp Kirnberger (1721–1783) wie auch im literarischen Berlin. Unter anderem war er mit Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781), Karl Wilhelm Ramler (1725–1798) und Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719–1803) bekannt.

 

1744 heiratete Bach Johanna Maria Dannemann, die Tochter eines Berliner Weinhändlers. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor – eine Tochter, Anna Carolina Philippina Bach (1747–1804), und zwei Söhne: Johann August Bach (1745–1789, getauft als Johann Adam) war in Hamburg als Jurist tätig, und Johann Sebastian (1748–1778), der später als Johann Samuel bekannt wurde und Kunstmaler war.

 

Nachdem Carl Philipp Emanuels Bewerbung als Nachfolger seines Vaters im Leipziger Thomaskantorat gescheitert war, übernahm er 1768 das Amt seines verstorbenen Paten Georg Philipp Telemann als städtischer Musikdirektor und Kantor am Johanneum in Hamburg. Mit diesem Amt war für Bach eine ungeheure Arbeitslast verbunden: Er war für jährlich etwa 200 Aufführungen an den fünf Hauptkirchen verantwortlich und hatte zudem für Anlässe verschiedenster Art die Musik zu komponieren. Darüber hinaus veranstaltete er öffentliche Konzerte, wie sie bereits von Telemann in Franfurt am Main und in Hamburg organisiert worden waren. Bach selbst trat bei diesen Konzerten häufig als Solist auf dem Cembalo oder Clavichord auf. Auch brachte er Oratorien von Georg Friedrich Händel (1685–1759), Telemann, Johann Gottlieb Graun (1703–1771), Carl Heinrich Graun (1704–1759) Joseph Haydn (1732–1809) und eigene Kompositionen zur Aufführung. So wurde Hamburg erneut, wie schon unter Telemann, zu einem wichtigen Musikzentrum.

Wie bereits in Berlin war Bach auch in Hamburg mit vielen Künstlern in Kontakt und pflegte den geselligen Austausch mit Dichtern wie Friedrich Gottlieb Klopstock (1724–1803), Heinrich Wilhelm von Gerstenberg (1737–1823), Johann Heinrich Voss (1751–1826) und Matthias Claudius (1740–1815), mit denen er sich über die »Sing-Poesie« und das »redende Prinzip« in der Musik austauschte.

 

Als hoch geachteter und verehrter Komponist, dessen Berühmtheit die seines Vaters bei weitem in den Schatten stellte, verstarb Carl Philipp Emanuel Bach am 14. Dezember 1788 in Hamburg. Er war der bedeutendste Komponist der Epoche des sogenannten empfindsamen Stils und hatte einen prägenden Einfluss auf die folgende Komponistengeneration bis hin zu Haydn, Mozart und Beethoven.

 

Eine Neuauflage des Werkverzeichnisses wird zur Zeit von Dr. Wolfram Enßlin und Dr. Uwe Wolf erstellt. Band 1 (Vokalwerkeverzeichnis; Enßlin und Wolf) erschien 2014 zum 300. Geburtstag des Komponisten, es folgen die Bände 2 (Instrumentalwerkeverzeichnis; Enßlin) und 3 (Notenbibliothek; Enßlin). Daneben werden die Werkverzeichnisse von Alfred Wotquenne (1905) und Eugene Helm (1989) verwendet.

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